Renault Zoe - klein aber ohoe!

Renault Zoe Z.E. 40 2017 Frontansicht

Heisst es eigentlich der Zoe oder die Zoe? Bei Renault heisst es der Zoe. Sehr viele Zoe-Besitzer sprechen hingegen von ihrem Fahrzeug in der weiblichen Form. 

 

In diesem Test ist ElektroautoCoach der Frage nachgegangen, ob die Zoe noch weitere Ungereimtheiten auf Lager hat oder ob sich unter dem Blechkleid der kleinen Französin doch ein stimmiges und ausgewogenes Elektroauto verbirgt.

 

 

Alternativen zur Renault Zoe:

Ein paar Zentimeter kürzer, dafür umso auffälliger: der BMW i3 ist bei den Kleinwagen zusammen mit der Renault Zoe das meistverkaufteste Elektroauto. Sportlicher im Antritt, allerdings auch bedeutend teurer.
Ab CHF 39'200. 

Ein paar Zentimeter länger und im Moment allerdings noch eher selten auf Schweizer Strassen unterwegs: Der Opel Ampera-e hat einen kräftigen Antrieb und eine tolle Reichweite. Grösstes Manko: Die Verfügbarkeit. Oder besser die Noch-Nicht-Verfügbarkeit. Ab CHF 46'900.


Erfolgsmodell seit 2013

Ein wenig verborgen ist sicher die Tatsache, dass es sich um ein Elektroauto handelt. Das ist auch gut so, denn unserer Meinung nach soll ein Elektrofahrzeug wie ein "normales" Fahrzeug aussehen. Lediglich ein paar Details wie der fehlende Auspuff sowie ein Zero-Emission Logo verraten auf den zweiten Blick, dass die Zoe statt mit Dinosauriersaft lieber mit Elektronen gefüttert werden will.

 

Die Zoe ist seit 2013 auf dem Markt erhältlich und das meistverkaufte Elektroauto in Europa. Beim Verkaufsstart der Zoe betrug die Batteriegrösse noch 22 kWh, seit dem 2017 Modelljahrgang bietet Renault zusätzlich auch eine 41 kWh grosse Batterie mit einer Normreichweite von 400 km an.

 

ElektroautoCoach hat die Ausstattungsvariante "Intens" mit der grossen Batterie getestet.

 

 

 

Innenraum

Innenraum Renault Zoe
Ein modernes, aufgeräumtes Cockpit

Das Interieur der Zoe kommt modern und aufgeräumt daher. Die Stoffsitze sind bequem und die Platzverhältnisse präsentieren sich auf für grossgewachsene Menschen ausreichend, zumindest in der ersten Reihe. In der zweiten Reihe hat's naturgemäss nicht mehr ganz so viel Platz für die Beine, was man aber bei einem Kleinwagen mit knapp 4.1m Länge auch nicht erwarten darf.

 

Der Kofferraum hat mit 338 Litern eine vernünftige Grösse. Der Boden des Kofferraums ist relativ weit unten, so dass auch höhere Gegenstände transportiert werden können. Dieser Vorteil wird allerdings durch den Höhenunterschied, der sich bei umgeklappten Rücksitzen ergibt, wieder ein wenig zunichte gemacht. Schade fanden wir auch, dass die Rückbank nur in einem Stück umklappbar ist.

 

Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass die Rücksitzlehne relativ einfach entriegelt und entfernt werden kann. Dadurch entfällt natürlich der vorhin erwähnte Höhenunterschied. Diese Option ist zwar grundsätzlich hilfreich, bietet sich aber typischerweise nur dann an, wenn man am Abfahrtsort auch die Möglichkeit hat, die Rücksitzlehne irgendwo zu deponieren.

 

Entscheidet man sich für die höchste Ausstattungsvariante Swiss Edition, die nebst Ledersitzen, Rückfahrkamera usw. auch ein Bose-Soundsystem beinhaltet, muss man sich bewusst sein, dass der dazugehörige Subwoofer zusätzlichen Platz im Kofferraum beansprucht. Der Tieftöner ist, ähnlich wie beim Nissan Leaf, auf dem Kofferraumboden angebracht, unmittelbar hinter den Rücksitzen.

 

Touchscreen und Navi Renault Zoe
Der Touchscreen ist gut, die Bilder der Rückfahrkamera hingegen nur mittelmässig

Das Cockpit besteht zwar hauptsächlich aus Plastik, kommt aber trotzdem modern und schick daher. In der Mitte des Armaturenbretts ist das Infotainmentsystem mit Touchscreen angebracht. Der Tacho besteht aus einem hochaufgelösten Bildschirm, der die Werte wie Geschwindigkeit, Ladestand, Reichweite, Gangwahl usw. gut lesbar anzeigt. Wieso dieser Bildschirm im unteren Bereich jedoch mit einem fixen Label "TFT Display" gekennzeichnet ist, hat sich uns allerdings nicht ganz erschlossen.

 

Unser Testfahrzeug war noch mit der optionalen Rückfahrkamera ausgerüstet, deren Anzeige auf dem Display relativ kleinformatig und pixelig daherkommt. Unserer Meinung nach ist die Rückfahrkamera nicht unbedingt zwingend, da die Übersicht, auch nach hinten, ziemlich gut ist.

 

 

 

 

 

Fahrverhalten

Renault Zoe Fahrverhalten

Die Zoe hat je nach Ausführung zwischen 88-92 PS und erledigt den Sprint von 0-100 km/h in 13.2 Sekunden. Das tönt nicht gerade rekordverdächtig, trotzdem kann man das Auto gerade in der Stadt sehr schnittig und flott fahren. Denn die 220 Nm Drehmoment ermöglichen ein zügiges Anfahren.

 

Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 135 km/h begrenzt und reicht, um auf Schweizer Autobahnen vernünftig unterwegs zu sein. Lediglich bei Überholmanövern auf der Autobahn oder auch bergauf auf der Landstrasse wäre man froh, die Zoe hätte noch etwas mehr Leistungsreserve.

 

Durch die zwischen den beiden Achsen am Fahrzeugboden untergebrachte Batterie profitiert die Zoe von einem tiefen Schwerpunkt. So können Kurven überraschend agil gefahren werden. Bei allzu rassiger Kurvenfahrt wird man allerdings durch den beschränkten Seitenhalt der Sitze wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Was aber nicht weiter stört, denn die Zoe will auch keine sportliche Rennsemmel sein, sondern vielmehr ein gemütlich gefederter Kleinwagen für den Alltag.

 

Cockpit Renault Zoe
Ganz rechts: Der erlösende Schalter zur Deaktivierung des Fussgänger-Warntons

Nicht sonderlich beindruckt waren wir von der ziemlich schwachen Rekuperation. Nimmt man den Druck vom Gaspedal weg, dann vermindert der Wagen die Geschwindigkeit nur unmerklich, so dass man auf die Bremse wechseln muss. Beim Bremsen wird der Wagen zwar nicht nur mechanisch, sondern auch per Rekuperation weiter abgebremst.

 

Trotzdem wird dadurch leider ein 1-Pedal-Driving verunmöglicht. Hier dürfte sich die Zoe unserer Meinung nach deutlich stärker als Elektroauto zu erkennen geben.

 

Apropos zu erkennen geben, die Zoe sendet bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h automatisch ein Geräusch aus zur Fussgängerwarnung. Dies fanden wir ziemlich irritierend und auch überflüssig. Denn bei unserem eigenen Elektroauto hatten wir trotz fehlendem Warnton noch nie ein Problem mit Fussgänger. Eine vorausschauende und defensive Fahrweise bringt vermutlich mehr als irgendeine komische Geräuschkulisse. Zum Glück kann man bei der Zoe den Warnton auch abschalten.

 

 

 

Reichweite und Verbrauch

Renault Zoe Reichweite
Gut ablesbarer Tacho und gefällige Designelemente

Die 41 kWh Batterie bietet eine NEFZ-Reichweite von 400 km. Bei gemischter Fahrt (Stadt, Land, Autobahn) ergibt dies eine echte Reichweite von etwa 300 km. Fährt man hingegen nur auf der Autobahn, sinkt die Reichweite gegen 200 km.

 

Wenn also jemand täglich lange Strecken auf der Autobahn fahren muss, ist die Zoe nicht unbedingt die erste Wahl. Ansonsten bieten die 300 km jedoch genügend Autonomie, um den Alltag ohne Reichweitenangst locker bestreiten zu können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufladen

Renault Zoe Aufladen CCS CHAdeMO Typ2
Kleines Auto mit grosser Klappe: Hinter dem Renault-Logo kommt der Ladeanschluss zum Vorschein

Die Ladeklappe ist bei der Zoe mittig an der Front angebracht, zwischen den Scheinwerfern. Ein Druck auf die Ladetaste am Fahrzeugschlüssel entriegelt die Ladeklappe in Form eines grossen Renault-Logos. Darunter verbirgt sich ein Typ 2 Anschluss. Vermutlich aus Kostengründen hat Renault auf eine DC-Schnelllademöglichkeit (CCS oder CHAdeMO) verzichtet.

 

Stattdessen kann nur mit Wechselstrom geladen werden. Entweder an einer normalen Haushaltssteckdose, was aber bis zu 30 Stunden dauern kann und daher eher für den Notfall gedacht ist. Praktikabler für den Alltag wäre die separate Anschaffung einer Wallbox für CHF 950 (exkl. Installation). Mit dieser kann das Fahrzeug mit bis zu 22 kW in 2 h 40 vollgeladen werden.

 

Falls jemand häufiger unterwegs laden muss, lohnt sich die Anschaffung des Modells mit dem Motor Q90. Dieser ist CHF 1700 teurer als die Zoe mit dem Motor R90, ermöglicht aber AC-Ladungen mit bis zu 43 kW. Solche Anschlüsse findet man beispielsweise an den Triple-Ladesäulen von ABB oder auch an den Ladesäulen von Lidl. Damit kann die Zoe innert 65 min auf 80 % geladen werden, während der R90 dafür 1 h 40 benötigt.

 

 

Batteriekauf oder -miete?

Batteriekauf Miete Renault Zoe

Ursprünglich war die Zoe nur mit Batteriemiete erhältlich. Dadurch senkt sich der Kaufpreis und Renault garantiert, dass die Batterie immer mindestens 75 % der anfänglichen Kapazität beträgt. Die Mietkosten für die grosse Batterie beginnen bei CHF 89 pro Monat für 7'500 Jahreskilometer.

 

Neu kann die Zoe auch mit der Batterie gekauft werden. Die Mehrkosten für die Batterie gegenüber dem Mietmodell betragen CHF 10'000. Renault gibt eine Garantie von 8 Jahren oder 160'000 km und garantiert eine Ladekapazität von 66 % des ursprünglichen Werts.

 

Während bei Privatpersonen sich nach wie vor viele für die Batteriemiete entscheiden, kann die Kaufvariante speziell für Firmen oder Gemeinden interessant sein, die über ein einmaliges Budget verfügen und sich nicht für laufende Kosten verpflichten wollen.

 

 

 

Preise

Preise Renault Zoe

Die Zoe ist in drei Ausstattungsvarianten erhältlich: Entry, Intens und Swiss Edition. Die Entry kostet als Batteriemiete CHF 21'900, kann aber nur mit der kleinen 22 kWh Batterie kombiniert werden.

 

Für einen Aufpreis von CHF 4'400 erhält man die grössere Batterie und die Ausführungsvariante Intens. ElektroautoCoach empfiehlt die grössere Batterie mit 41 kWh, ausser Sie sind jemand, der wirklich nur sehr wenige km pro Tag fährt.

 

Die Kaufpreise für die Batteriemiete beginnen bei CHF 26'300 für die R90 Motorisierung bzw. CHF 28'000 für die Q90 Motorisierung mit der 43 kW Ladefähigkeit. Die monatliche Batteriemiete kostet für die grosse Batterie ab CHF 89 pro Monat.

 

Die Batteriekauf-Preise beginnen bei CHF 31'900 für die kleine Batterie resp. CHF 36'300 für die grosse Batterie in der Intens-Ausführung.

 

Die Ausstattungsvariante Swiss Edition ist für einen Aufpreis von CHF 3'100 erhältlich (sowohl für Batteriekauf und –miete). Swiss Edition beinhaltet zusätzlich Ledersitzen, Rückfahrkamera, beheizten Vordersitzen, verstärkter Schalldämmung, Bose-Soundsystem usw.

 

 

 

Fazit

Heckansicht Renault Zoe

Nachdem man der Zoe eine grössere Batterie spendiert hat, ist sie mit einer realistischen Reichweite von bis zu 300 km definitiv dem Dasein als reines Stadtauto entwachsen.

 

Klar, in die Ferien nach Süditalien möchte man mit der Zoe nicht unbedingt fahren müssen, aber abgesehen davon ist sie ein vollwertiges, alltagtaugliches Auto, das den allermeisten Situationen gerecht wird.

 

Natürlich gibt's auch bei der Zoe noch das eine oder andere Detail, das verbessert werden könnte. Aber unter dem Strich erhält man einen rundum gelungenen Kleinwagen zu einem fairen Preis. So macht Elektromobilität Spass!

 

 

 

 

 

Alternativen zur Renault Zoe:

Ein paar Zentimeter kürzer, dafür umso auffälliger: der BMW i3 ist bei den Kleinwagen zusammen mit der Renault Zoe das meistverkaufteste Elektroauto. Sportlicher im Antritt, allerdings auch bedeutend teurer.
Ab CHF 39'200. 

Ein paar Zentimeter länger und im Moment noch äusserst selten auf Schweizer Strassen unterwegs: Der Opel Ampera-e hat einen kräftigen Antrieb und eine tolle Reichweite. Grösstes Manko: Die Verfügbarkeit. Oder besser die Noch-Nicht-Verfügbarkeit. Ab CHF 41'900.


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