Langstrecken-Fahrten

 

Wer an einem Tag eine Strecke jenseits der Reichweite seines Autos zurücklegen will, ist auf ein öffentliches Schnellladenetzwerk angewiesen, um die Ladepause möglichst kurz zu halten.

 

In der Schweiz existieren aktuell ca. 2‘700 Ladepunkte, davon sind jedoch nur ca. 14 % schnell (>22 kW). Die öffentliche Infrastruktur wird allerdings laufend weiter ausgebaut, mit besonderem Fokus auf Schnellladepunkte.

 

Am komfortabelsten präsentiert sich die Situation aktuell für Tesla-Fahrzeuge, da diese nebst den grössten Reichweiten auch auf ein proprietäres Schnellladenetz (Tesla Supercharger) zugreifen können, was ein bequemes Reisen quer durch Europa ermöglicht, vom Süden Spaniens bis jenseits des Polarkreises im Norden Norwegens.

Langstrecke mit einem Elektro-fahrzeug – geht das überhaupt?

Ja, sehr gut sogar.

 

Es kommt allerdings sehr drauf an, mit welchem Elektrofahrzeug man unterwegs ist. Absolut unproblematisch sind weite Strecken mit einem Tesla. Die Batterie ist genügend gross und die Tesla Supercharger Ladestationen bieten eine gute geographische Abdeckung.

 

Da man bei längeren Fahrten sowieso ab und zu eine Pause machen muss, nutzt man diese, um gleichzeitig das Auto zu laden (Stehzeit = Ladezeit).

 

Die Tesla Supercharger laden mit einer Leistung von aktuell bis zu 120 kW so schnell, dass das Auto meistens vor den Insassen wieder zur Weiterfahrt bereit ist, speziell wenn man als Familie unterwegs ist.

 

Neben Tesla gibt’s dann auch noch all die anderen Elektroautos. Diese sind zum heutigen Stand für Langstrecke nur bedingt geeignet. Denn zum einen haben sie eine kleinere Reichweite, zum anderen können sie auch noch nicht mit der Ladegeschwindigkeit der Teslas mithalten. Das heisst man macht häufigere und längere Ladepausen. Fahrten innerhalb der Schweiz oder auch ins angrenzende Ausland hingegen, z.B. in Form eines Wochenend-Ausflugs, sind mit den meisten Elektroautos überhaupt kein Problem. Im Gegensatz zum Tesla eignen sich die meisten anderen Elektrofahrzeuge allerdings weniger für weite Fahrten ins Ausland. Es sei denn, Sie bringen genügend Zeit und eine gehörige Portion Enthusiasmus mit.

Tesla Supercharger Ladestationen - Stand Frühling 2017 (Quelle: tesla.com)
Tesla Supercharger Ladestationen - Stand Frühling 2017 (Quelle: tesla.com)

Um die Unterschiede zu verdeutlichen, finden Sie untenstehend zwei Reisebeispiele, einmal mit einem Tesla und einmal mit einem Nissan Leaf. Die beiden Reiseberichte sollen veranschaulichen, wie eine solche Reise in der Realität abläuft. Es wurden bewusst unterschiedlich lange Strecken gewählt, denn wie bereits erwähnt, die längere der beiden ist aus unserer Sicht mit dem Leaf nicht wirklich praktikabel, da die Ladepausen im Vergleich zum Tesla etwa 3x so viel Zeit in Anspruch nähmen.

 

Praxisbeispiel 1: Zürich-Rimini mit einem Tesla Model S 100D

Familie S.+T. Romer und ihre beiden Kinder aus Zürich (CH) fahren mit ihrem Tesla Model S 100D nach Rimini (I) in die Sommerferien. Um 6 Uhr in der Früh fahren sie Zuhause los, die Batterie des Tesla ist zu 100 % geladen. Nachdem sie den Gotthard passiert haben, machen sie nach 2 ¼ Stunden Fahrt auf dem Monte Ceneri einen kurzen Toiletten- & Kaffeehalt. Die Batterie des Tesla ist zwar noch zu mehr als der Hälfte voll, aber trotzdem wird die kurze Pause von knapp 15 Minuten genutzt, um das Elektroauto an einer der Supercharger-Säulen zu laden (Stehzeit = Ladezeit). Dann geht’s weiter Richtung Grenzübergang Schweiz-Italien.

 

Nach weiteren 2 ¾ Stunden, die Romers befinden sich inzwischen kurz vor Bologna, steuern sie den Supercharger in Modena an. Es ist nun kurz vor Mittag und sie haben bereits 470 km hinter sich gebracht. Auch hier stecken sie den Tesla am Supercharger an, 18 Minuten Ladezeit reichen für die Weiterfahrt. Gerade genug Zeit für den obligaten Toiletten-Halt und eine Runde Panini. Die Eltern gönnen sich danach noch einen feinen Ristretto, während die beiden Kinder ein wenig herumtollen.

Langstrecken-Fahrt mit Tesla Model S 100D von Zürich nach Rimini
Strecke Zürich-Rimini mit 2 Ladestopps (rot markiert)

Das Wichtigste in Kürze

Strecke Zürich (CH) - Rimini (I)
Distanz 620 km
Fahrzeug Tesla Model S 100D
Fahrzeit 5:42 Stunden
Pausen 1x 14 Min. und 1x 18 Min.
Total Reisezeit 6:15 Stunden
Stromkosten Höchstens CHF 15.00 (entspricht ca. CHF 2.40 pro 100 km)
(Die Supercharger Nutzung ist bis jetzt für Model S und Model X Besitzer kostenlos)

Das letzte Teilstück nach Rimini dauert nochmals etwa 1.5 Stunden, dann sind sie an ihrer Feriendestination angekommen. Ihr Hotel hat einige der Parkplätze mit Steckdosen ausgerüstet, so dass Hotelgäste ihre Elektrofahrzeuge einfach und entspannt aufladen können.

 

Praxisbeispiel 2: Zürich – Zermatt mit einem Nissan Leaf

Das Ehepaar C.+H. Ademo beschliesst, ein verlängertes Juniwochenende am Fusse des Matterhorns, in Zermatt, zu verbringen. Um 8 Uhr morgens fahren sie mit ihrem Nissan Leaf 30 kWh mit voller Batterie in Zürich los Richtung Bern. Nach 120 km und knapp 1.5 Stunden Fahrt setzen sie kurz vor Bern den rechten Blinker und biegen in die Autobahnraststätte Grauholz ein. Direkt vor dem Restauranteingang betreibt die Groupe E eine MOVE-Ladesäule mit zwei verschiedenen Schnellladeanschlüssen. Per SMS schalten die beiden den CHAdeMO-Anschluss frei, schliessen den Leaf an und machen sich auf Richtung Restaurant. 30 Min. später ist die Batterie des Leaf auf 80 % geladen, die Reise geht weiter.

 

Nun geht’s über unzählige Haarnadelkurven steil hinunter nach Steg, das knapp 600m tiefer auf dem Talboden liegt. Durch das Bergabfahren und die damit verbundene Rekuperation kann der Leaf seine Batterien wieder aufladen, so dass der Batteriestand trotz den zurückgelegten 10 km nicht weiter gesunken ist.

Am Thunersee verlassen die Ademos die Autobahn und fahren das Kandertal hinauf. Ihr Ziel ist Kandersteg, dort befindet sich der Lötschberg-Autoverlad, von wo sie mit dem Autozug ins Wallis gelangen. Die Strecke von Grauholz bis nach Kandersteg ist zwar nur knapp 70 km weit, dafür gilt es eine Höhendifferenz von knapp 600m zu bewältigen. Die Batterie zeigt bei Ankunft in Kandersteg nur noch etwas über 20 % an. Dies ist aber nicht weiter tragisch, denn jetzt geht’s erstmal mit dem Autozug weiter. Nach 15 Min. ist der dunkle Bahntunnel durch den Lötschberg zu Ende und die Ademos finden sich in Goppenstein im Kanton Wallis wieder.

Das Wichtigste in Kürze

Strecke Zürich - Zermatt bzw. Täsch (alle CH)
Distanz 240 km*
Fahrzeug Nissan Leaf 30 kWh
Fahrzeit 3:10 Stunden*
Ladepausen 1x 30 Min. und 1x 15 Min.
Total Reisezeit 3:55 Stunden*
Stromkosten Je nach Anbieter und Abrechnungsmodell unterschiedlich
  * Zeit und Distanz des Autoverlads nicht berücksichtigt

Die nächste Lademöglichkeit befindet sich in Steg bei der Firma Winsun. Dort laden die beiden ihren Leaf über den CHAdeMO-Anschluss auf 60% - was etwa 15 Min. dauert. Zeit genug für eine kleine Stärkung im angrenzenden Restaurant. 60% Akkustand reichen aus für das letzte Stück ihrer Reise nach Zermatt.

 

Da Zermatt autofrei ist, müssen die Ademos ihren Leaf im Parkhaus in Täsch abstellen. Das Parkhaus bietet einige Elektro-Parkplätze, wo sie ihr Auto gratis aufladen können, so dass sie in zwei Tagen den Heimweg mit voller Batterie wieder antreten können.