Testbericht Tesla Model Y

Fahrbericht Polestar 2

Kürzlich haben sie in der Schweiz sowie im übrigen Europa begonnen: die ersten Auslieferungen des Model Y. Der elektrische Crossover-SUV wurde von vielen mit Spannung erwartet. Ist es besser als das Model 3? Nachdem wir uns das Model Y im Detail angeschaut und es auch probegefahren sind, verraten wir euch hier, wie uns der neuste Tesla gefallen hat.

Der Hype um das Model Y

Tesla Model Y weisses Interieur
Tesla Model Y Cockpit und riesemgrossen Panoramadach (Bild: Tesla)

Zürich City, Pelikanstrasse, Ende August 2021. Vor dem Tesla Store hat sich eine ansehnliche Schlange gebildet. Der Grund? Das neu eingetroffene Model Y steht in den Showrooms von Tesla. Den Hype, wie man ihn sonst von Apple kennt, vermag Tesla offensichtlich auch mit seinem neusten Produkt zu generieren. Sofort werden Erinnerungen an den Frühling 2018 wach, als die Menschen vor den Tesla Stores in Zürich und anderen Schweizer Städten Schlange standen, um zu den ersten zu gehören, die sich ein Model 3 bestellen können. Beim aktuellen Hype geht es weniger um das Bestellen des Model Y, das kann man schon länger online, sondern vielmehr ums Anschauen, Probesitzen, etc.

 

Abgesehen vom Interesse, welches das Model Y und das Model 3 in der Schweiz generieren, gibt's noch einige weitere Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Fahrzeugen. Das Model Y ist ja quasi die grössere Schwester des Model 3. Es basiert auf derselben Plattform, bietet als Crossover-SUV aber mehr Innenraum sowie einen grösseren Kofferraum, und zwar vorne und hinten. 

 

Was die Popularität betrifft, hat das Model 3 eine eindrückliche Bilanz vorzuweisen. Es war im 2020 hinter dem Skoda Octavia das zweitmeistverkaufte Fahrzeug in der Schweiz und auch im ersten Halbjahr 2021 war es auf Platz 4 sämtlicher Neufahrzeuge. Beim Model Y geht man allgemein davon aus, dass sich dieses aufgrund der grösseren Flexibilität beim Kofferraum sowie im Innenraum (bis zu 7 Sitze) noch besser verkaufen wird als das Model 3. 

 

Ursprünglich war ja geplant, dass die europäischen Model Y ab Sommer 2021 in der neuen Gigafabrik in der Nähe von Berlin produziert werden. Nachdem nun allerdings die berühmt-berüchtigte Bürokratie in Deutschland den Fortschritt der Inbetriebnahme der neuen Fabrik um einige Monate verzögert, hat sich Tesla als Übergangslösung dazu entschieden, die Schweiz wie auch den Rest von Europa mit Fahrzeugen aus ihrer Fabrik in Shanghai zu beliefern.

In diesem Testbericht werden wir übrigens viele Vergleiche zum Model 3 ziehen. Nicht nur, weil sich diese Fahrzeuge in vielem sehr ähnlich sind. Sondern auch, weil viele Tesla-Interessierte sich die Frage stellen werden, welches dieser beiden Elektrofahrzeuge wohl das für sie geeignetere ist.

Ausführungen

Tesla Model Y Türeinstiegsleiste Detailaufnahme
Das Model Y ist voerst in zwei Ausführungen bestellbar: Long Range und Performance.

In der Schweiz ist das Model Y aktuell in folgenden zwei Ausführungen bestellbar: Als "Long Rang" mit einer WLTP-Reichweite von 507 km und als "Performance" mit einer geschätzten Reichweite von 480 km. Die ersten in der Schweiz ausgelieferten Model Y sind allerdings alles Long Range Modelle.

 

Die Performance Modelle folgen ein wenig später. Mehr Details nachfolgend im Abschnitt "Preise und Liefersituation Schweiz".

 

Beiden Ausführungen gemeinsam ist das "Dual Motor" Konzept. Will heissen Allradantrieb durch je einen Elektromotor auf der Vorder- und Hinterachse.

Äusseres

Tesla Model Y im Showroom in Zürich, Schweiz
Das Tesla Model Y in Deep Blue Metallic

Das Model Y gehört, ganz dem Zeitgeist entsprechend, zur Kategorie der Crossover-SUV. Mit einer Länge von 4.75m und einer Breite von 1.92m ist es grösser als das Model 3, aber noch nicht so gross wie das (riesige) Model X, was gerade beim Parkieren äusserst nützlich ist.

 

Was das Model Y auf den ersten Blick vom Model 3 unterscheidet ist die Höhe. Die Limousine ist nämlich lediglich 144 cm hoch, während das Y mit 162 cm beinahe 20 cm höher ist. Abgesehen davon lässt sich die Abstammung des Y vom 3 nicht leugnen und so gibt es sowohl beim Äusseren als auch im Innenraum sehr viel Identisches.

 

Ziemlich genau zwei Tonnen bringt das Model Y auf die Waage. Dieser Wert geht eigentlich in Ordnung, wenn man bedenkt, dass andere allradgetriebene Elektrofahrzeuge ähnlicher Grösse wie z.B. der Ford Mustang Mach-E oder der Audi Q4 e-tron etwa 200-300 kg mehr Speck auf den Rippen haben.

Innenraum

Cockpit des Tesla Model Y
Tesla Model Y Cockpit mit dem weissen Interieur

Das Cockpit des Model Y ist grundsätzlich identisch zu demjenigen des Model 3. Derselbe hochauflösende, 15 Zoll grosse Touchscreen bildet auch hier das Informationszentrum für die Fahrerin mit sämtlichen relevanten Angaben wie Geschwindigkeit, Kartendarstellung, usw.

 

Für viele mag am Anfang das Fehlen eines klassischen Tachos hinter dem Steuerrad merkwürdig erscheinen. Wir können jedoch aus eigener Erfahrung bestätigen, dass man sich innert Kürze daran gewöhnt.

 

Vorne auf der Mittelkonsole bietet ein rutschfestes Ladedock Platz für zwei Mobiltelefone, die gleichzeitig kabellos aufgeladen werden können. Zusätzlich sind sowohl im Innern der Mittelkonsole sowie auch hinten (für die Passagiere der 2. Reihe) jeweils zwei USB-Anschlüsse vorhanden.

 

 

Tesla Model Y Panoramadach
Das Panoramadach des Model Y ist riesig. (Bild: Tesla)

Den Blick nach oben richtend sieht man erstmal…nichts. Nichts als Glas.

 

Während das Glasdach beim Model 3 zwischen A und B-Säule noch durch einen Querträger unterbrochen ist, ist das Glasdach beim Model Y von vorne bis nach hinten zur Kofferraumklappe sprichwörtlich aus einem Guss.

 

Vor allem für die Passagiere auf den Rücksitzen ergibt sich so ein sehr grosszügiges Innenraum-Feeling. Die Rücksitze können übrigens in der Neigung verstellt werden. Ein sehr nettes Feature, dass es so im Model 3 beispielsweisse nicht gibt.

Tesla Model Y 2. Sitzreihe
Das Tesla Model Y bietet bequeme Rücksitze und grosszügigen Platz für Kopf und Beine

Ein weiterer Vorteil des Model Y ist die bessere Kopffreiheit. Nicht das man im Model 3 kein Platz hätte, aber sowohl in der hinteren Reihe als auch auf den Vordersitzen fällt die Kopffreiheit beim Model Y wirklich sehr üppig aus. Apropos Freiheit… auch die Kniefreiheit in der hinteren Reihe ist grosszügiger als beim Model 3.

 

Ebenso ist die Sitzbank höher und damit weiter weg vom Boden, so dass die Sitzposition auf den Rücksitzen nochmals entspannter ist als beim Model 3. Die Vordersitze sind dieselben. Sie sind bequem und bieten einen angemessenen, wenn auch nicht übermässigen Seitenhalt. Lediglich für Personen mit langen Beinen könnte die Sitzfläche bzw. die Beinauflage idealerweise noch ein wenig weiter nach vorne reichen.

 

Die ganze Innenausstattung (inkl. dem griffigen Lenkrad) ist bei Tesla seit einiger Zeit rein vegan. Statt dem klassischen Leder bietet Tesla nur noch "veganes" sprich Kunstleder an. Das tut aber dem Sitzkomfort, der Pflegeleichtigkeit sowie und der Langlebigkeit keinen Abbruch, ganz im Gegenteil.

 

Im Gegensatz zum Model 3 sind beim Model Y die hinteren Seitenscheiben sowie die Heckscheibe standardmässig getönt. Das fanden wir sehr praktisch, denn speziell im Sommer heizt sich dadurch der Innenraum spürbar weniger stark auf. Und alle, die beim grossen, durchgehenden Glasdach Bedenken haben, dass die sengende Sommersonne einem das Hirn wegbrennt, können wir beruhigen: das tut es nicht. Das Glasdach ist genügend stark getönt, so dass es zu keinem Zeitpunkt unangenehm ist. 

Model Y mit 7 Sitzen

Tesla Model Y 7-Sitzer Konfiguration
Die 3. Sitzreihe beim Model Y, fotografiert von oben (Foto: Sean Mitchell, Twitter: @seanmmitchell)

Im Laufe des 2022 sollte übrigens auch in der Schweiz bzw. in Europa das Model Y in der Ausführung mit 7 Sitzen bestellbar sein. Dabei wird ein Teil des Kofferraums "geopfert" für eine dritte Sitzreihe für zwei Personen.

 

Um genügend Platz im Fussraum zu schaffen, kann die zweite Sitzreihe um insgesamt etwa 15 cm nach vorne verschoben werden. Dies lässt dann sowohl den Passagieren in der zweiten als auch in der dritten genügend Platz für die Beine.

 

Die wirkliche Beschränkung in der letzten Sitzreihe kommt konstruktionsbedingt aber von der Heckscheibe. Kinder oder Personen bis zu einer Grösse von etwa 160-170 cm sollten noch reinpassen, während grössere Personen mit dem Kopf die Heckscheibe berühren werden, was gerade für längere Fahrten nicht wirklich bequem ist.

Wenn die dritte Sitzreihe nicht benötigt wird, können die beiden Sitze umgeklappt werden. Dabei entsteht im Kofferraumboden eine etwa 10cm hohe Kante.

 

Natürlich ist das Platzangebot dadurch ein wenig kleiner als bei der 5-Sitzer Konfiguration. Trotzdem könnte die 7-Sitzer Ausführung gerade für grössere Familien oder solche, die öfter mal mit den Nachbarschaftskindern z.B. zum Fussballtraining fahren müssen, durchaus interessant sein.

 

Falls Sie allerdings 6 oder 7 vollwertige Plätze benötigen, dann dürften Sie mit dem grösseren Model X vermutlich besser bedient sein.

 

Nebenstehend ein kurzes Video, in dem die 3. Sitzreihe und der Kofferraum ausführlich vorgestellt und getestet werden.


Kofferraum

Tesla Model Y Kofferraum
Der grosszügige Kofferraum des Model Y

Hier kommen wir wohl zu dem Thema, welches beim Model 3 für die meisten Diskussionen gesorgt hat: der Kofferraum. Dieser ist zwar alles andere als klein, ganz im Gegenteil, er ist sogar ziemlich geräumig. Aber da das Model 3 bekanntlich eine Limousine ist, ist auch die Kofferraumöffnung nicht wahnsinnig gross, bzw. hoch. Tesla hat sie zwar so hoch gebaut wie möglich, aber wenn jemand regelmässig grosse bzw. hohe Sachen transportieren will oder z.B. eine grosse Hundebox im Kofferraum installieren möchte, dann ist das Model 3 definitiv nicht das richtige Fahrzeug.

 

Beim Model Y hingegen sieht dies komplett anders aus. Hier kann es durch die Crossover Karosserie seine Vorteile voll ausspielen. Der Kofferraum des Model Y ist wirklich sehr gross und einfach zu beladen. Einzig eine Hutablage hätte Tesla dem Model Y noch spendieren können. Also weniger wegen den Hüten aber so eine Ablage verhindert eben auch, dass Gepäckstücke im Falle eines Aufpralls nach vorne in den Passagierraum geschleudert werden.

Tesla Model Y mit umgeklappten Rücksitzen
2m lang, 70cm hoch und an der schmalsten Stelle 94cm breit - der Kofferraum des Model Y

Beim Transportieren von grossen resp. langen Gegenständen können die Hintersitze einzeln umgeklappt werden. Dafür genügt ein einfaches Ziehen an den auf der Linken Seite des Kofferraums angebrachten Tasten. Die so entstandene Ladefläche ist mit 2m Länge gross genug, dass zwei Erwachsene bequem ausgestreckt im Model Y übernachten können.

 

Mit dem standardmässig vorhandenen "Camper-Modus" bieten Tesla-Fahrzeuge die Möglichkeit, den Innenraum die ganze Nacht über zu kühlen oder zu heizen, je nachdem, ob man im heissen Süditalien oder irgendwo hoch oben in den Alpen im Auto übernachtet.

 

Aufgrund des grossen Akkus und der hohen Effizienz der inzwischen eingebauten Wärmepumpen ist der Energieverbrauch absolut überschaubar und so können Sie selbst im tiefsten Winter gemütlich warm im Auto nächtigen, ohne Angst haben zu müssen, am nächsten Morgen nicht mehr weiterzukommen.

 

Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es inzwischen unzählige Anbieter von passend dimensionierten Matratzen und ähnlichem Übernachtungszubehör für Tesla Fahrzeuge gibt.

Tesla Model Y mit offenem Frunk
Dürfen wir vorstellen: Frunk! Der vordere Kofferraum des Tesla Model Y

Und ja, selbstverständlich gibt's Tesla-typisch auch noch einen vorderen Kofferraum.

 

Dieser ist grösser und tiefer als beim Model 3, so dass dort locker ein Cabin Case verstauen lässt. Oder das Ladekabel und anderer Kleinkram.

 

Der vordere Kofferraum eignet sich auch sehr gut, um auf dem Nachhauseweg zum Beispiel eine grosse Ladung Döner Kebab mit alles und viel scharf für die ganze Familie zu verstauen. Das hat den unschlagbaren Vorteil, dass der Passagierraum des Tesla danach nicht identisch riecht wie die Imbissbude Ihres Vertrauens.

Fahrverhalten

Fahrendes Tesla Model Y Performance Modell
Model Y - hier die Performance Ausführung mit Spoiler und 21 Zoll Überturbine-Felgen (Bild: Tesla)

Im direkten Vergleich zum Model 3 merkt man natürlich, dass man in einem Crossover-SUV und nicht in einer (tiefen) Limousine sitzt. Das äussert sich in erster Linie in der besseren Übersicht und dem leichteren Einsteigen, was beides der höheren Sitzposition zu verdanken ist. Aber das Model Y profitiert gleichzeitig von einem tiefen Schwerpunkt und reagiert in Kurven ohne grosse Wankbewegungen, wie das häufig bei Fahrzeugen dieser Bauform der Fall ist. Das Model Y ist in Sachen Federung sportlich, aber nicht unkomfortabel abgestimmt.

 

Etwa 150 kg Mehrgewicht bringt das Model Y im Vergleich zum Long Range Model 3 auf die Waage. Dadurch wirkt das Model Y nicht ganz so spritzig wie sein kleiner Bruder, aber das ist jetzt Beklagen auf hohem Niveau. Denn der Allradantrieb sorgt stets für optimalen Grip in allen Situationen und ist unserer Meinung nach die einzig wahre Antriebsform für ein Elektroauto mit einem gewissen Wumms. Obwohl dieses "Wumms" nicht ganz ans Niveau vom Model 3 herankommt. Den Spurt auf 100 km/h schafft das Long Range Model Y in 5.0 Sekunden und braucht damit 0.6 Sekunden länger als die Limousine in der Long Range Version.

 

Wem diese 5 Sekunden nicht schnell genug sind, kann aufs Performance Modell zurückgreifen. Für einen Aufpreis von CHF 9'000 bietet dieses u.a. eine Beschleunigung auf 100 km/h von lediglich 3.7 Sekunden. Zusätzlich gibt's dafür noch 21-Zoll Überturbine-Felgen, Performance Bremsen, eine Höchstgeschwindigkeit von 241 km/h (statt 217 km/h) ein tiefergelegtes Fahrwerk sowie Leichtmetallpedale.

 

Screenshot Tesla Performance Boost Upgrade
Beschleunigungs-Boost für Tesla Fahrzeuge - im Bild die Option für das Model 3

Spartipp: Wem der Aufpreis von CHF 9'000 für das Performance-Modell zu hoch ist, gleichzeitig aber trotzdem ein wenig schneller beschleunigen möchte als im normalen Long Range Modell, dem sei hiermit verraten: Es gibt noch eine weitere, kostengünstigere Möglichkeit, das Model Y zu tunen. Ganz legal bzw. offiziell by the way.

 

Und zwar bietet Tesla einen sogenannten Beschleunigungs-Boost an. Dieses Upgrade kann nach dem Kauf über die Tesla-App freigeschalten resp. gekauft werden.

 

Nebenstehend ein Screenshot von der Tesla-App eines Model 3: Dort wird der Sprint um 0.5 Sekunden schneller und die Freischaltung kostet einmalig CHF 2'000.

 

Wir gehen davon aus, dass sich diese Option beim Model Y im ähnlichen Rahmen bewegen wird wie beim Model 3.

Insgesamt fährt sich das Model Y sehr angenehm und sehr leise.

 

Vor allem im Vergleich zum Model 3 der früheren Jahrgänge (2019+20) ist das Model Y nochmals eine Stufe besser gedämmt. Durch die doppelt verglasten Akustik-Seitenscheiben sowie andere kleine (aerodynamische) Kniffe im vorderen Bereich des Autos ist es selbst bei Autobahngeschwindigkeit noch angenehm still.

 

Hier ein Video von Tesla, wo über die akustischen Eigenschaften des Glas, die Schutzwirkung gegen UV-Strahlen und vieles mehr berichtet wird.


Reichweite

Tesla Model Y Touchscreen
Der Touchscreen dieses nicht ganz auf 100% geladenen Model Y

Beim Long Range Model Y beträgt die WLTP-Reichweite 507 km. Beim Performance-Modell sind es etwa 27 km weniger.

 

Da wir das Model Y nur relativ kurz fahren konnten, haben wir die Reichweite nicht wie üblich geprüft. Aber aufgrund von Erfahrungen in anderen europäischen Märkten lassen sich erste Rückschlüsse ziehen.

 

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass das Model Y ein sehr energieeffizientes Elektroauto ist. Beim gemischten Fahren Überland und Innerorts beträgt der Verbrauch irgendwo zwischen 14-15 kWh/100km, was eine realistische Reichweite von etwas über 500 km ergibt.

Bei einer Autobahngeschwindigkeit von 120 km/h liegt der Verbrauch mit den standardmässigen 19-Zoll Gemini Felgen und den 255/45/R19 Hankook Reifen bei etwa 19.5 kWh / 100 km.

 

Dies ist das Testergebnis von Björn Nyland, einem bekannten Youtuber und Tesla-Fahrer / EV-Tester der ersten Stunde. Details dazu im Video.


Tesla Model Y Karosserie
Karosserie des Model Y mit dem im Unterboden eingebauten Akku (Bild: Screenshot Tesla.com)

Die aktuelle NMC-Batterie von LG (interne Typen-Bezeichnung: 5C) hat eine Nettokapazität von geschätzten 70-72.5 kWh. Offizielle Angaben zur Akkukapazität des Model Y veröffentlicht Tesla leider nicht.

 

Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 km/h hätte dies also eine ungefähre Gesamtreichweite von 360-370 km zur Folge. Bei einer Fahrt auf Schweizer Autobahnen unter Einhaltung der Gesetze ist allerdings eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 km/h aufgrund von 100er Zonen, Baustellen, etc. praktisch unmöglich. Wir gehen deshalb davon aus, dass bei gemässigten Temperaturen eine Autobahn-Reichweite von etwa 400 km machbar sein sollte.

 

Wie sich die Reichweite im Winter bei tiefen Temperaturen verhält, wird sich zuerst noch weisen müssen, da es für die aktuellen Made-in-China Model Y noch keine Erfahrungswerte gibt. Aber aufgrund der verbauten Wärmepumpe ist die "Winterschwäche" nicht mehr so stark ausgeprägt wie bei früheren Teslas, wo der Innenraum noch über eine Widerstandsheizung gewärmt wurde, welche ein ziemlicher "Stromfresser" war.

 

Wir vermuten deshalb, dass selbst bei tiefen Temperaturen eine Autobahnreichweite in der Schweiz von etwa 300 km drin liegen sollte.

Aufladen

Schwarzes Tesla Model Y Performance
Tesla Model Y Performance beim Wechselstromladen (Bild: Tesla)

Wie bei allen Tesla-Fahrzeugen befindet sich auch beim Model Y die Ladeklappe hinten links. Diese lässt sich auf vielfältigste Weise öffnen. Entweder ein Druck auf die Klappe selbst, den Fahrzeugschlüssel, den Knopf auf dem Stecker des Tesla-Ladekabels oder alternativ via die Tesla-App lässt die Ladeklappe hochfahren. Darunter verbirgt sich, wenig überraschend, da inzwischen absoluter Standard in Europa, ein CCS Anschluss, d.h. oben eine Typ 2-Buchse fürs normale AC-Laden und unter eine Buchse mit zwei Gleichstrompins, welche zusammen mit dem oberen Teil fürs schnelle Gleichstromladen benötigt werden.

 

Dort, wo das Auto für längere Zeit steht, also beispielsweise daheim, am Arbeitsplatz, im Hotel, etc. kann mit 11 kW Wechselstrom geladen werden. Falls Sie also am Abend mit praktisch leerem Akku Zuhause ankommen, ist das Model Y in 6-7 Stunden vollgeladen. Da im täglichen Gebrauch der Akku des Model Y idealerweise zwischen 20-80% genutzt werden sollte, benötigt das Laden des Akkus typischerweise nicht mehr als 4 Stunden.

Tesla Model Y CCS Anschluss
CCS-Ladeport des Tesla Model Y

Beim Gleichstrom-Schnellladen auf der Langstrecke zeigt sich bis jetzt folgendes Bild: Die maximale Ladeleistung liegt bei ungefähr 225 kW. Diese liegt an, wenn der Akku fast leer gefahren wurde, also bei einem Ladestand von unter 10%. Diese maximale Ladeleistung wird jedoch nur kurzzeitig erreicht und flacht dann mit zunehmendem Ladestand weiter ab. Laut der Tesla Webseite kann beim Model Y in 15 Minuten bis zu 270 km Reichweite nachgeladen werden. Gemäss ersten Erfahrungen von verschiedenen Nutzern scheint dies allerdings beim aktuell verbauten Akku ein "Laborwert" zu sein, der nur unter absolut optimalen Bedingungen zu erreichen ist. In der Praxis dauert das Nachladen von 270 km Reichweite nach ersten Berichten vermutlich eher etwa 20-22 Minuten.

 

Hier zeigt sich übrigens ein klarer Unterschied zu den Long Range oder Performance Modellen des Model 3 ab. Dessen Akku erlaubt eine maximale Ladeleistung von bis zu 250 kW und dieser Maximalwert bleibt auch von etwa 5% Ladezustand bis um die 20% erhalten, also länger als beim Model Y.

 

Lädt das aktuelle Model Y deshalb schlecht bzw. ist es für die Langstrecke doch eher ungeeignet? So weit würden wir definitiv nicht gehen. Klar, das Model 3 lädt schneller. Müssen Sie also regelmässig (sprich ein bis mehrmals pro Woche) Distanzen von über 400 km pro Tag zurücklegen, dann würden wir Ihnen aktuell eher zum Model 3 raten. Falls Sie jedoch z.B. aus Platzgründen ein Model Y bevorzugen, dann wäre es allenfalls eine Option, noch ein paar Monate zu warten und zu schauen, was sich in Sachen Akku beim Model Y tut.

 

Falls Sie jedoch zur grossen Mehrheit gehören, die solche Langstrecken-Fahrten lediglich ein paar wenige Mal pro Jahr unter die Räder nimmt, dann können Sie getrost zum aktuellen Model Y greifen. Weil vermutlich die Freude, die Sie jeden Tag daran haben werden, die zusätzlichen paar Minuten Ladezeit auf der Fahrt in die Ferien bei weitem überwiegen wird. 

Preise und Liefersituation Schweiz

Tesla Model Y Deep Blue Metallic Heckansicht
Tesla Model Y Heckansicht

Das Long Range Model Y wechselt für CHF 62'000 den Besitzer, während für die schnellere Performance-Ausführung CHF 71'000 hingeblättert werden müssen.

 

Die Lieferfristen betragen für das Long Range Modell aktuell etwa 2-3 Monate, das Performance-Modell wird erst ab Anfang 2022 in der Schweiz bzw. im übrigen Europa ausgeliefert.

 

Die Optionenliste ist Tesla-typisch eher kurz. Nebst grösseren Rädern beim Long Range gibt's noch 5 verschiedene Karosseriefarben, den Tesla-Autopiloten sowie die Wahl zwischen einem dunklen und hellen Interieur.

 

Ein vermutlich populäres Zubehör für das Model Y wird die Anhängerkupplung sein, mit der Anhängelasten bis zu 1'600 kg gezogen werden können. Die Anhängerkupplung kann bis zum jetztigen Zeitpunkt jedoch nicht bei der Online-Bestellung geordert werden, sondern muss nach der Auslieferung separat bestellt bzw. im Tesla Service-Center montiert werden.

Model Y Made-in-China oder doch lieber warten auf Made-in-Germany?

Tesla Gigafactory Shanghai / China
Gigafactory Shanghai - nach nur 10-monatiger Bauzeit seit Ende 2019 in Betrieb (Bild: Tesla)

Als seriöse Tester kommen wir natürlich nicht umhin, über den Elefanten im Raum zu sprechen. Ist es ratsam, jetzt ein Model Y aus chinesischer Produktion zu kaufen oder fahren Sie (sprichtwörtlich) besser, wenn Sie noch zuwarten und sich dann ein Model Y Made-in-Germany kaufen?

 

Was die allgemeine Fertigungs- und Verarbeitungsqualität anbetrifft, dies diskutieren wir diese hier nicht, denn die Chinesen machen hier einen echt tollen Job. Vielmehr konzentrieren wir uns auf ein sehr spezifisches Thema: den Akku. Dazu müssen wir kurz ein wenig zurückblenden.

 

Denn wie schon erwähnt waren die chinesischen Model Y ursprünglich gar nicht für den europäischen Markt gedacht. Tesla hat sich dann allerdings doch für diesen Plan B entschieden, da die ersten Model Y in der deutschen Gigfafabrik in Grünheide erst voraussichtlich gegen Ende 2021 vom Band laufen werden. Ursprünglich hätten die Model Y aus Grünheide zudem mit den neuen 4860er Zellen ausgestattet sein sollen.

 

Die 4860er sind "the next big thing" in Sachen Akkutechnologie aus dem Hause Tesla. Sie versprechen (auf Zellebene) eine um 30% grössere Reichweite sowie eine signifiante Kostenreduktion pro kWh bei der Herstellung. Bevor Sie nun denken, "ja ne, ist klar, 30% höhere Reichweite, das ist genau was ich brauche!", nun ganz so einfach ist es leider nicht.

Gigafabrik Grünheide: Im September 2021 noch im Bau. (Bild: Twitter-User @Albrecht_Kohler)
Gigafabrik Grünheide: Im September 2021 noch im Bau. (Bild: Twitter-User @Albrecht_Kohler)

Denn eine 30% bessere Reichweite auf Zellebene bedeutet nicht unbedingt auch eine 30% grössere Reichweite für das Model Y. Im Moment kann nämlich niemand mit Bestimmtheit sagen , ob sich Tesla für eine grössere Reichweite entscheidet oder stattdessen lieber die Akkugrösse reduziert, dadurch Platz, Gewicht und Kosten spart und dabei aber die Reichweite ungefähr im aktuellen Rahmen belässt.

 

Diese 4860er Wunderzellen werden schon seit einiger Zeit in der Kato-Pilotanlage in Kalifornien hergestellt. Ende Juli 2021 verkündete Tesla, dass sie bei der Herstellungskapazität Fortschritte gemacht haben und auch mit der Qualität und der Langlebigkeit der Zellen zufrieden sind. Trotzdem gäbe es immer noch ein paar technische Herausforderungen bei der Produktion. Sobald dieser Flaschenhals behoben sei, könne mit der Massenfabrikation der 4860 begonnen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt (September 2021) ist jedoch noch unklar, wann dies genau der Fall sein wird.

 

Tesla hat sich deshalb dazu entschieden, die Model Y Produktion in Deutschland basierend auf den bisherigen 2170er Zellen zu starten. Das ist derselbe Formfaktor, wie er beispielsweise auch im Model Y aus China verbaut ist.

Tesla Model Y Frontansicht
Tesla Model Y im Showroom in Zürich

Im Gegensatz zu herkömmlichen Autoherstellern hält sich Tesla ja nicht an das Prinzip der Jahrgangsmodelle. Das heisst Verbesserungen bei den Fahrzeugen erfolgen nicht erst mit dem nächsten Jahrgang, sondern werden kontinuierlich umgesetzt. Das ist Fluch und Segen zugleich. Während die Vorteile auf der Hand liegen, ist es gleichzeitig aber auch schwierig bzw. fast unmöglich, eine verlässliche Prognose zu machen, ab wann genau welche Innovationen in den Autos verbaut werden.

 

Mit einem Tesla ist es daher ähnlich wie bei Computer oder Handys, die ebenfalls einem sehr hohen Innovationstempo unterliegen: Wenn Sie immer das beste Produkt haben möchten, dann warten Sie ewig und werden sich auch nie etwas kaufen.

 

Daher unsere Empfehlung:
Wenn das Model Y, so wie es aktuell daherkommt, Ihren aktuellen Ansprüchen und Anforderungen genügt, dann schlagen Sie zu. Nach unseren ersten Erfahrungen können wir mit Überzeugung sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Sie mit dem Model Y zufrieden sein werden, relativ gross ist.

Fazit

Tesla Model Y mit 20 Zoll Induction Felgen
Die optionalen 20 Zoll Induction Felgen

Für wen eignet sich das Model Y bzw. welches ist nun das bessere Elektroauto, das Model 3 oder das Model Y?

 

In unserem grossen Fahrzeug-Vergleich schneidet das Model Y mit genau derselben Punktzahl ab wie das Model 3 (Hier geht's zu unserem Test des Model 3). Sind beide deshalb gleich gut? Jein. Grundsätzlich sind beides Top-Elektroautos. Aber je nachdem, welche Bedürfnisse jemand hat, kann das Endresultat trotzdem ganz verschieden rauskommen.

 

Das Model Y, so viel können wir schon mal sagen, ist ein sehr überzeugendes Elektroauto geworden. Das Made-in-China Model Y ist gut verarbeitet, bietet einen grossen und flexiblen Innenraum für Mensch und Material, fährt sich toll und ist dabei gleichzeitig äusserst effizient für ein Fahrzeug dieser Grössenklasse. Aus unserer Sicht hat das Model Y das Zeug, in der Schweiz zum Elektroauto-Bestseller zu werden. Sicherlich noch nicht im 2021, aber nächstes Jahr dürfte es spannend werden.

 

Wer regelmässig (zum Beispiel als Familie) mit mehreren Leuten und grösserem Gepäck unterwegs ist, für den ist das Model Y definitiv die bessere Wahl. Auch wenn das Model 3 durchaus familientauglich ist, sammelt das Y durch den grösseren und leichter beladbaren Kofferraum natürlich viele Pluspunkte. Für grössere (sprich erwachsene) Personen sind die hinteren Sitze bequemer als beim Model 3, der Einstieg ist auch leichter und das durchgehende Panorama Glasdach ist schlicht der Hammer. Auf der Langstrecke ist das Model Y nicht schlecht, kann aber mit dem aktuellen Akku in Sachen Reichweite und Ladegeschwindigkeit nicht ganz mit dem Model 3 mithalten.

 

Was für das Model 3 spricht ist natürlich der Preis. Das günstigste Model 3 in der Standard Range Plus Ausführung ist aktuell etwa CHF 22'000 preiswerter als das günstigste Model Y, obwohl einige Beobachter davon ausgehen, dass sich auch die Preise des Model Y (irgendwann) noch ein wenig nach unten bewegen werden. Falls Sie meistens alleine oder zu zweit unterwegs sind, nicht regelmässig Ihren halben Haushalt im Auto transportieren wollen, Wert auf ein sportlicheres Fahrzeug legen, das auf der Langstrecke mit einer noch grösseren Reichweite und mit einem sehr hohen Ladetempo glänzt, dann ist das Model 3 vermutlich die bessere Wahl für Sie.